Warum dich ein leeres Bankkonto in deinen 20ern (noch) nicht aufregen sollte

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Viele meiner Mittzwanziger haben absolut keine Ersparnisse. Und dazu gehörte ich eine Zeit lang auch. Ich liebe es einfach, neue Länder zu bereisen, mit Freunden essen zu gehen und mein hart erarbeitetes Geld in Erfahrungen zu investieren. Es gibt nichts, was ich bereue und nichts, was ich ausgelassen habe. Ich bin ein zufriedener und ausgeglichener Mensch.

Es gab jedoch Tage, an denen ich mich verrückt gemacht habe, ich müsse doch endlich mit dem Sparen anfangen. Und es macht mich immer noch etwas verrückt. Und das aus gutem Grund. Keine Ersparnisse und somit keine finanzielle Stabilität zu haben, ist verrückt. Man muss sich für harte Zeiten oder den Ruhestand absichern.

Meistens spare ich jedoch immer zu einem bestimmten Moment meines Lebens hin, wie für eine große Reise. Ich verabschiede mich dann für mehrere Monate aus meinem Alltag, entdecke neue Kulturen, gehe tauchen und renne mit Affen durch den Dschungel. Und dann bin ich blank.

Ich muss jedoch sagen, dass ich bisher auch nichts verpasst habe. Ich habe bisher alles gemacht, was ich wollte. Ich habe ohne mit der Wimper zu zucken mein Geld in teure Flugtickets, Tauchkurse und Festivaltickets investiert. Denn wann würde ich noch einmal die Chance dazu erhalten? Wahrscheinlich noch ungefähr 100 Mal. Aber das weiß man eben nicht.

Ich bin es satt, immer Dinge verschieben zu müssen. Ich habe jetzt das Geld, jetzt die Zeit und jetzt die Lust dazu. Punkt, aus.

Lasse dir niemals von jemanden einreden, du könntest das immer noch mal machen. Meiner Erfahrung nach, kommen diese gleichen Chancen selten noch einmal. Es ist einfach eine Ausrede oder die Angst davor, sein Bankkonto schrumpfen zu sehen.

Es tut mir leid, aber so lebt man nicht. Das Leben wird erst dann lebenswert, wenn man sich spontan in Abenteuer schmeißt, neue Dinge ausprobiert und nichts verschiebt. Jetzt ist die Zeit! Ich werde nicht erst mit 50 anfangen zu leben. Und sollte ich morgen sterben, so kann ich voller Stolz behaupten, dass ich nichts ausgelassen habe.

Bevor ich diese Einsicht hatte, war ich bezüglich meiner Ersparnisse panisch. Ich lebte in einer der schönsten und aufregendsten Städte der Welt und wusste nicht, wie ich tatsächlich „lebe“.

Ich ging selten aus, verreiste so gut wie nie, hatte noch nie ein Konzert von innen gesehen und nahm nie ein Taxi. Ich bevorzugte zu laufen, um Geld zu sparen. Ich wusste nicht wirklich, wie ich das Leben voll auskostete, denn ich war zu sehr damit beschäftigt, mich um mein Bankkonto zu sorgen. Warum müssen wir uns so schuldig fühlen, unser Leben zu genießen?

Versteht mich nicht falsch, man muss Geld zurücklegen. Aber sind wir wirklich in einem Alter, in dem wir uns so verrückt machen müssen?

Wann haben die 20er damit angefangen, sich wie die 40er anzufühlen? Wann wurden wir zu alleinerziehenden Eltern mit 5 Kindern und einer Haushypothek? Ich habe noch keine Kinder und habe deshalb keinen Bock mich um eine theoretische Zukunft zu fürchten.

Diese Sorgen haben jedoch irgendwo ihren Ursprung. Sie kommen meist von unseren Eltern. Und sie sind auch verständlich. Sie wollen, dass wir Sicherheiten haben und in unsere Zukunft investieren.

Meine Mutter war in meinem Alter jedoch schon verheiratet und hatte ein Kind. Ihre Prioritäten lagen ganz woanders als bei mir. Denn ich bin noch nicht bereit dazu, mich irgendwo häuslich einzurichten. Wir haben einfach einen unterschiedlichen Zeitplan.

Als ich mein Auslandsjahr antrat und einen gut bezahlten Job erhielt, begann ich mein Leben zu genießen. Und mein Erspartes zu verpulvern. Ich machte keine Ausnahmen mehr und genoss mein Leben in vollen Zügen. Und in dem Moment war es auch genau das Richtige.

Doch nach ein paar Monaten musste ich mit Entsetzen feststellen, dass ich absolut nichts gespart hatte. Und das war der Moment, in dem ich realisierte, dass es so nicht weiter ging. Ich musste ein Gleichgewicht finden und so stellte ich einen Finanzplan auf, der mir half, mein Flugticket nach Hause zu finanzieren und sogar noch etwas beiseite zu legen.

Genieße das Leben, aber lege etwas zurück.

Keiner sagt, du könntest nicht sparen und gleichzeitig dein Leben genießen. Du solltest dir jedoch keine unrealistischen Ziele setzen, in denen du fast die Hälfte deines Einkommens sparst und dir dann deine Birne darüber zerbrichst, ob du die 2 Euro für den Kaffee ausgeben solltest, oder nicht.

Du machst es einfach. „Luxus“ ist nicht nur für reiche Menschen, du darfst das ab und zu auch mal. Beginne, dein Geld zu genießen.

Geld ist soviel mehr wert, wenn es in unvergessliche Erfahrungen oder Reisen investiert wird. Erinnerungen, die dein Leben bereichern und dich zu einem weltoffenen Menschen machen.

Es schadet jedoch nicht, die einen oder anderen 100 Euro, die du vielleicht in einen Kaschmirpullover investiert hättest, zurückzulegen. So begehst du nicht denselben Fehler wie ich nach einer langen Reise vor einem verstaubten Bankkonto zu stehen.

Lebe nicht nach den Zahlen.

Menschen, die ständig vorsichtig sind und ihr Bankkonto überwachen, haben es schwerer ihr Leben zu genießen und einfach mal spontan zu sein. Ihre mehreren Tausend Euro schrumpfen zu sehen, bricht ihnen das Herz. Aber macht es wirklich einen so großen Unterschied, ob man 10000 Euro oder 9500 Euro auf dem Konto hat?

Du kannst dein Geld nicht mit ins Grab nehmen.

Nun ja, physisch gesehen schon. Aber die Würmer interessieren sich nicht für deine hart verdiente Kohle.

Gebe Geld niemals den Vorrang.

Es ist immer gut, finanzielle Stabilität zu haben, vor allem bei unerwarteten Ausgaben. Es ist aber auch gut, sich entspannen zu können und all den Stress abfallen zu lassen.
Bist du jedoch zu sehr dem Geld verfallen, so wirst du schnell merken, dass selbst der schrecklichste Job mit einem Top-Gehalt die Mühe einfach nicht wert ist. Geld macht eine miese Arbeitsstelle auf Dauer nicht erträglicher.

Lerne richtig zu sparen.

Viele Menschen sparen beim Ausgehen und beim Urlaub. Verzichte jedoch nicht auf deine wohlverdiente Erholung! Sparen geht auch besser.

Zahle jeden Monat einen festgelegten Betrag auf dein Sparkonto. Dabei ist es sche*ßegal wie gering er ist, Kleinvieh macht schließlich auch Mist. Und das Wichtigste: Nicht anfassen! Setze einen realistischen Betrag fest, der dich nicht hungern lässt.

Setze Ziele und lege einen Zeitplan fest. Wofür sparst du? Ziele und Wünsche motivieren einen sinnvoller zu sparen. Und vor allem, stelle einen Finanzplan auf. Der hat mir nämlich letztendlich den A*sch gerettet.

Merke: Es ist nie zu spät, mit dem Sparen anzufangen, auch wenn du am Anfang nicht viel zurücklegen kannst. Lass dich niemals entmutigen, der Start zur finanziellen Stabilität ist schwer, wird sich aber definitiv am Ende lohnen.

Diana Buatis

Diana ist ein wahrer Reisejunkie, den alle 2 Wochen das Fernweh packt. Wenn sie nicht gerade von weißen Inseln und der unendlichen Weite des Meeres träumt, findest du sie im Park mit fremden Hunden spielen oder in einem ihrer Lieblingscafés in Berlin fleißig für ihren Blog schreiben.

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