Neuanfang nach Trennung: Warum wir stärker und glücklicher werden

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Man gerät in Panik. Das Leben, das man bisher kannte, existiert nicht mehr. Wir trennen uns von unserem Partner, unserem besten Freund und brechen jeglichen Kontakt mit ihm ab. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen.

Es ist unerträglich, egal ob man sich auf der Seite des Verlassenen oder des Verlassenden befindet. Man leidet.

Es gibt keine einfache Art, um über eine Trennung hinwegzukommen. Der einzige Weg ist mitten durch sie durch. Mitten durch den Schmerz, der uns unsere letzte Kraft raubt.

Doch Fakt ist: Es wird besser. Ja, ich weiß, wie oft hast du das nicht schon von Freunden und der Familie gehört. Diese Worte erinnern mich nur allzu sehr daran, dass es immer noch weh tut. Dass es einmal besser war. Und dass ich dieses Glücksgefühl jetzt zurück möchte.

Es ist so lächerlich, dass wir ein Gefühl des Verlustes und Schmerzes sogar dann empfinden, wenn wir aus einer schlechten Beziehung kommen. Sollten wir nicht erleichtert sein? Wir gieren nach Liebe. Sogar die, die keine war.

Doch Fakt ist: Es WIRD besser. Auch wenn es gerade nicht den Anschein macht. Wir werden stärker und glücklicher aus dieser Beziehung hervorgehen. Aus Fehlern lernen und wachsen. Wir beginnen, unser Glück selbst in die Hand zu nehmen, unser Schicksal selbst zu bestimmen und unser Leben aufzuräumen.

Warum es so weh tut.

Die Universität von Amsterdam fand heraus, dass sich unser Herzschlag verlangsamt, wenn wir zurückgewiesen werden. Egal ob es sich hierbei um einen Fremden oder Freund handelt.

Es liegt in unserer Natur, dass wir schlechter mit Zurückweisungen umgehen können. In dem Moment der Trennung, können wir nur die schlechten Dinge sehen. Wir haben den gleichen Freundeskreis und dieselben Interessen geteilt, gemeinsam Zukunftspläne geschmiedet und plötzlich stehen wir alleine da. Unerwartete Veränderungen, die sich nur schwer verarbeiten lassen.

Wir sehen alles verschwommen. Nach einer Trennung sind wir nicht mehr in der Lage rational zu denken. Die Fehltritte unseres Partners und die Gründe unserer Trennung sind plötzlich nichtig klein oder vergessen. Das Einzige, was wir in diesem Moment wollen, ist ihn wieder zurückzubekommen. Wir erkennen uns selbst kaum wieder.

Helen Fisher, Anthropologin der Universität Rutgers, führte eine Studie durch, die die Gehirnregionen von Probanden untersuchte, die sich kürzlich getrennt hatten. Während man den Teilnehmern Bilder ihrer Ex-Partner zeigte, wies der Kernspintomograph eine erhöhte Aktivität der Gehirnareale auf, die normalerweise Motivationen, Belohnungen, Abhängigkeiten und zwanghafte Verhaltensstörungen kontrollieren. Diese Areale werden auch oft mit romantischen Gefühlen, Kokainabhängigkeit, physischen Stress und Leid in Verbindung gebracht.

Dies erklärt nicht seltene Trennungsreaktionen wie Verzweiflung, Stalking, Mord oder schlimmstenfalls Selbstmord. Von anderen abgelehnt zu werden, aktiviert dieselbe Hirnregion, die für physischen Schmerz zuständig ist.

Wir sind irrational, können keinen klaren Gedanken fassen und wünschen uns nichts sehnlicher, als das der Schmerz endlich vergeht. Beziehungen verändern die Sichtweise über uns selbst. Wenn eine Beziehung endet, endet in dem Moment auch ein Teil von uns.

Alles ist halb so schlimm.

Eine Studie der Journal of Experimental Social Psychology hat ergeben, dass man sich zweimal schneller als erwartet von einer Trennung erholt. Zeit heilt alle Wunden. Nach einer Trennung können wir uns unmöglich vorstellen, uns jemals wieder von unserem Schmerz zu erholen. Doch fehlgeschlagen! Uns wird es definitiv bessergehen!

Nachdem wir den Herzschmerz überwunden haben, sehen wir alles in einem neuen Licht. Wer wir sind, wer wir sein können und dass wir jemand besseren finden können. Nachdem wir jede Hürde erfolgreich hinter uns gelassen haben, sind wir glücklicher und weiser. Eine Trennung kann uns nicht in unseren Grundfesten erschüttern. Du wirst selbstbewusster, unabhängiger und bist deinen Freunden und der Familie näher als jemals zuvor.

Wissenschaftler des Journal of Positive Psychology haben herausgefunden, dass 11 Wochen nach der Trennung, bereits 71 % der 1404 befragten Universitätsstudenten ihre Ex-Beziehung in einem positiven Licht sehen konnten.

Wir lernen aus unseren Fehlern.

Jede schlechte Erfahrung bringt dich einen Schritt weiter in die richtige Richtung. Du lässt das Geschehene Revue passieren. Was ist schiefgelaufen? Welche Fehler begehe ich definitiv nicht noch einmal? Und welchen Menschen werde ich in Zukunft aus dem Weg gehen? Eine Reflektion des Geschehenen kann dich in vielerlei Hinsicht bereichern.

Die Universität Arizona führte eine Studie an 210 Probanden (zwischen 17 und 29 Jahren) durch, die gerade durch eine Trennung gingen. Sie wurden in 2 Gruppen geteilt. Die erste Gruppe sollte einen Fragebogen ausfüllen und beschreiben, wie sie sich zurzeit fühlen. Weiterhin vervollständigten sie eine 4-minütige Aufgabe, in denen sie in ein Aufnahmegerät sprechen sollten. Dieses Experiment wurde alle 3 Wochen wiederholt.

Die zweite Gruppe hingegen, füllte den Fragebogen nur am Anfang und am Ende dieser 9-wöchigen-Studie aus. Die Sprachaufgabe wurde hierbei nur einmal ausgeführt.

Das Ergebnis der Studie zeigte auf, dass die erste Gruppe einen viel größeren Fortschritt aufwies, als die zweite Gruppe, da sie die Trennung durch das Experiment besser verarbeiten konnte. Nicht ohne Grund suchen wir Rat bei Freunden und der Familie, um über Geschehenes zu reden und über unsere vergangene Beziehung hinwegzukommen.

Sich selbst finden.

Nach einer Trennung wissen wir nicht, wer wir eigentlich sind. Wir sind gezwungen, uns selbst zu finden und uns zu definieren. Wir wollen das der Schmerz vergeht und beginnen unsere Trennung zu verarbeiten und uns abzulenken. Wir treffen Freunde, gehen reisen, suchen uns ein neues Hobby. Wir befinden uns in einem Selbstfindungsprogress. Deswegen wechseln wir nach einer Trennung auch oft unsere Frisur, unsere Garderobe und ändern/erweitern sogar unseren Freundeskreis etc.

Eine Trennung ist etwas Nervenaufreibendes und man hat das Gefühl, man kommt nie darüber hinweg. Aber es ist gut zu wissen, dass man nach 3 Monaten gestärkter aus dieser Trennung hervorgeht. Das Sprichwort „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ passt nirgendwo besser, als zu dem Moment, in dem man eine Trennung überwindet.

Wir sehen keinen Scherbenhaufen vor uns liegen, sondern Teile, die zusammengesetzt eine neue und stärkere Person hervorbringen können.

Maureen Wagner

Maureen Wagner ist gebürtige Münchnerin und verdammt stolz darauf. In ihrer Freizeit liebt sie es, zu schreiben, Date-Doktor zu spielen oder Tierdokus zu schauen.

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