Menschen, die spät schlafen gehen sind tatsächlich klüger und kreativer

FacebookTwitter

Ich bin eine echte Nachteule. Es gibt nichts Schlimmeres, als früh aufzustehen, sofort auf Hochtouren zu laufen  und dann wieder vor Mitternacht schlafen zu gehen.

Viele Menschen um mich herum, darunter meine Mutter oder meine Mitbewohner, verstehen einfach nicht, warum ich nach dem wiederholten Alarm meiner 3 Wecker nicht endlich aufstehe und sie ausschalte. Oder warum man immer hundertmal nach mir rufen muss, bis ich endlich völlig ermüdet aus dem Bett krieche.

Wie soll ich ihnen erklären, dass das Buch, das ich letzte Nacht gelesen habe, mich so in seine Welt gezogen hatte, dass ich Zeit und Raum vergessen habe? Wie kann ich ihnen klarmachen, dass mich nachts um 1 Uhr morgens plötzlich der Geistesblitz traf und ich sofort meine Idee niederschreiben musste, bevor sie sich wieder ins Nichts auflöst?

Das kann ich nicht. Deswegen verstehen sie mich auch nicht und schimpfen lieber, ich solle doch endlich einmal früher ins Bett gehen. Doch wie stelle ich das an? Es ist nicht so, dass ich es nicht bereits versucht hätte. Es liegt einfach nicht in meiner Natur, alles stehen und liegen zu lassen, mein Gehirn zu ignorieren und die Lichter auszuschalten.

Das gleiche Problem habe ich auch in der Uni. Ich bin immer die Letzte, die den Kursraum betritt und werde deshalb mit bösen Blicken meines Rhetorikprofessors oder mit Extra-Hausarbeiten gestraft.

Menschen um mich herum haben es satt ständig meine Entschuldigungen hören zu müssen. Sie wollen, dass ich endlich einmal meinen Sch*iß zusammenbekomme. Aber meiner Meinung nach habe ich mein Leben perfekt geregelt, nur eben nicht nach deren Stundenplan.

Ich liebe es, die ganze Nacht über wach zu bleiben, mich müde zu lesen und es doch nicht zu sein, Ideen aufzuschreiben und mir Online-Tutorials anzuschauen, wie z.B. das Programmieren mit HTML, Gitarre lernen oder Haare flechten. Wichtigen Kram eben.

Die Nacht ist die Zeit in der meine Ideen ausbrechen, meine Energie und Motivation den Höhepunkt erreichen und ich doch völlig entspannt und ausgeglichen bin. Die Nacht ist die Zeit, an der ich mir Ziele vornehme und Geschichte schreiben werde.

Eine Studie der Universität Madrid hat ergeben, dass Nachteulen bei induktiven Intelligenztests viel besser abschneiden als Frühaufsteher. Im Grunde genommen sind Menschen, die gegen die Norm denken und handeln und evolutionäre Verhaltensmuster entwickeln, Pioniere des Alltags und deshalb die ersten, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen.

Nachteulen sind Pioniere des Alltags und ignorieren nicht den Moment des kreativen Durchbruchs.

ABC Science hat über eine Untersuchung der Catholic University of the Sacred Heart in Mailand berichtet, die 120 Männer und Frauen verschiedenen Alters nach ihren Morgen- und Nachtaktivitäten getestet hatte.

Die Probanden wurden drei Tests unterzogen, die ihre kreative Denkweise erforscht und sie nach Originalität, Ausarbeitung, Reaktionsschnelligkeit und Flexibilität bewertet. Nachteulen schnitten am besten ab, worin Morgenmenschen oder Personen, die zwischen beiden Kategorien lagen, Probleme hatten über 50 Punkte zu erreichen.

Marina Giampietro, die Hauptautorin einer Studie der Zeitschrift Personality and Individual Differences ist der Meinung, dass die Resultate vor allem auf die Entwicklung eines unkonventionellen Geistes und die Fähigkeit alternative und originelle Lösungsansätze zu finden, zurückzuführen sind.

Frühaufsteher sind morgens produktiver und nutzen die frühen Stunden vor allem dafür, Sport zu treiben, ein ausgewogenes Frühstück vorzubereiten und pünktlich zur Arbeit zu kommen. Morgenmuffel schlafen aus und kommen erst langsam in Gang. Nachts jedoch laufen sie auf maximaler Kreativ-Leistung und sind bereit etwas vollkommen Neues zu kreieren.

Sie machen die Nacht zum Tag und halten länger durch.

Eine Studie der Universität Lüttich in Belgien hat aufgezeigt, dass Nachteulen länger über den Tag durchhalten als Frühaufsteher. Hier wurden die Gehirnaktivitäten von 15 Probanden direkt nach dem Aufwachen und noch einmal 10,5 Stunden später untersucht. Spät-, sowie Frühaufsteher hatten die gleiche Produktivität, doch bereits nach 10 Stunden war die Gehirnaktivität der Frühaufsteher deutlich geringer als die der Nachteulen.

Morgenmenschen strotzen nach dem Aufwachen nur so vor Energie, gehen joggen und organisieren ihren gesamten Tagesablauf. Am Abend jedoch sind sie bereits völlig ausgepowert und müde. Und das ist die Zeit an dem der Morgenmuffel erst so richtig anfängt auf Hochtouren zu laufen.

Nachteulen verschlafen den Morgen, sind dafür aber weniger gestresst.

Oft hat es den Anschein, dass sie zu lange schlafen und deshalb den produktiven Teil des Tages verpassen. Frühaufsteher versäumen jedoch eine ganze Nacht voller Produktivität und Ideenreichtum und sind zudem auch noch gestresster.

Bei einer Studie der Universität Westminster wurden 8 Mal am Tag Speichelproben von insgesamt 42 Freiwilligen entnommen und die Mengen vom körpereigenen Stresshormon Cortisol bestimmt.

Die Testpersonen, die vor 7.21 Uhr aufwachten, zeigten einen höheren Gehalt von Cortisol auf als die Personen die später aufwachten. Demnach sind Nachteulen, unbeachtet der langen Nachtaktivität, über den gesamten Tag besser gelaunt und haben weniger Beschwerden wie Muskelschmerzen, Schnupfen oder Kopfschmerzen.

Morgenmuffel genießen oft einen schlechten Ruf und werden als faul und langsam bezeichnet. Doch im Grunde genommen dürfen sie nicht unterschätzt werden, da hinter ihrem Verhaltensmuster ein komplexer Gedankenprozess steckt, der nicht so leicht von Morgenmenschen zu verstehen ist.

Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass jeder Mensch unterschiedlich gestrickt ist und seine eigene Zeit braucht, um auf Hochtouren zu laufen. Es ist also verdammt egal, wie du deinen Tag strukturierst (oder auf dich zukommen lässt), schlafe dich aus (wenn du kannst) und finde deinen eigenen Rhythmus. Auch wenn das wieder einmal bedeutet, deinen Alarm zu verpassen und die Menschen um dich herum in den blanken Wahnsinn zu treiben.

Diana Buatis

Diana ist ein wahrer Reisejunkie, den alle 2 Wochen das Fernweh packt. Wenn sie nicht gerade von weißen Inseln und der unendlichen Weite des Meeres träumt, findest du sie im Park mit fremden Hunden spielen oder in einem ihrer Lieblingscafés in Berlin fleißig für ihren Blog schreiben.

No Comments Yet

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>