Immer wenn ich nett zu einem Typen bin, denkt er, ich möchte mit ihm schlafen

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Ich war in einem kleinen Büro eines Online-Shops angestellt und war für Kundenanfragen per Mail zuständig. Es war mit Sicherheit nichts Besonderes und meist langweilig, aber im Laufe der ersten Wochen traf ich eine Reihe interessanter Leute. Einer von ihnen war Jan.

Jan und ich waren wie Siamesische Zwillinge. Wir verstanden uns von Anfang an gut, aßen Mittag zusammen und ließen uns permanent über unsere nervigen Familien und monotonen Kollegen aus. Wir waren uns wirklich verdammt nah.

An einem Samstagmorgen rief mich Jan an und fragte, ob ich nicht Lust hätte mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen. Wir hatten uns noch nie außerhalb des Büros getroffen, weshalb ich zuerst etwas skeptisch war. Aber hey, es war nur eine Tasse Kaffee. 10 Minuten später trafen wir uns in einem nahegelegenen Café und unterhielten uns. Ich war etwas verwundert, da er die meiste Zeit über sehr still war und mir das Reden überließ.

Als wir uns schließlich auf den Weg machten und sich unsere Wege trennten, packte er mich plötzlich am Arm uns stieß mich sanft gegen eine Hauswand.

„Maureen,“ er schaute mir fest in die Augen, „Ich finde dich atemberaubend.“

Oh, nein, bitte nicht. Ich ahnte, wohin das führte.

„Könntest du dir jemals vorstellen, du weißt schon, mehr als Freunde zu sein? Ich möchte, dass wir uns so viel näher kommen. Du musst mir jetzt nicht antworten. Denke einfach darüber nach.“

Ich würde lügen, hätte ich nicht schon geahnt, dass Jan Gefühle für mich hatte. Ich bin nicht dumm, ich weiß, wie man Zeichen deutet. Dennoch war ich für ein Geständnis dieser Art nicht vorbereitet. Jan war einfach nicht das, was ich mir unter einen perfekten Partner vorstellte. Er war weder romantisch, noch fühlte ich mich körperlich zu ihm hingezogen.

Bereits am nächsten Morgen im Büro, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und lag die Karten auf den Tisch. Jan war ein ruhiger und ausgeglichener Typ, aber seine Reaktion entsprach ganz und gar nicht seinem Charakter. Er begann mich anzuschreien, ich hätte ihn an der Nase herumgeführt und zweideutige Signale gesendet. Ich war entsetzt. Ich war schlicht und einfach nur freundlich gewesen und hatte nie irgendwelche anderen Hintergedanken. Er fühlte sich jedoch betrogen und konnte mit der Tatsache, dass nie mehr zwischen uns sein würde, einfach nicht umgehen.

Wenige Wochen später, nach unserem einmaligen Hauswand-Rendezvous, kündigte Jan. Und von einem Moment auf den anderen, war unsere Freundschaft beendet.

Reden ist meine Leidenschaft. Ich habe eine Meinung zu jedem vorhandenen Thema, sei es über den neuesten Star Wars-Film oder Angela Merkels Außenpolitik. Von Natur aus bin ich ein freundliches Wesen und blühe geradezu auf, wenn ich unter Menschen bin. Egal wohin ich gehe, ich gehe selten ohne neue Freundschaften oder Bekanntschaften nach Hause.

Die einzigen interessanten Männer um mich herum sind meine Kollegen und homosexuellen Freunde. Da ich mit keinem der Beiden ins Bett hüpfen kann, laufen unsere Freundschaften auch reibungslos. Wir haben keinen Druck die Freundschaft mit dem anderen auf eine neue Ebene zu bringen und zu vertiefen, da es hier kein sexuelles Potenzial gibt.

Sobald ich jedoch einen anderen Mann kennenlerne und wir auch nur das geringste gemein haben, endet unsere Freundschaft meist wie die mit Jan. Und sobald ich die romantischen Gefühle nicht erwidern kann, behaupten sie, ich wisse doch gar nicht, was ich will und date deshalb nur Arschlöcher und mache keinen Platz für „nette Männer“.

Eine neue Freundschaft verwandelt sich dann in eine „Ich wünschte-ich hätte-dich nie-kennengelernt-Bekanntschaft“. Meiner Meinung nach ist eine platonische Beziehung zu einem Mann schwer bis unmöglich und wird von folgenden Faktoren bestimmt: Beziehungsstatus, Aussehen und Gemeinsamkeiten. Wobei viele hier nicht allzu wählerisch sind.

An alle Männer, die dachten ich würde ihnen etwas vormachen, nur weil wir Zeit zusammen verbracht haben: Es tut mir leid, das war nicht meine Absicht. Ich wollte einfach nur ganz unbefangen eine großartige Zeit mit einem tollen Freund verbringen.

Und solltest du dir mehr wünschen und doch abgewiesen werden: Lerne es zu akzeptieren und fange gar nicht erst an mir zu erzählen, ich wisse nicht was ich im Leben will.

Maureen Wagner

Maureen Wagner ist gebürtige Münchnerin und verdammt stolz darauf. In ihrer Freizeit liebt sie es, zu schreiben, Date-Doktor zu spielen oder Tierdokus zu schauen.

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