Der Unterschied zwischen Liebe und Abhängigkeit

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Wenige Wochen nachdem sich meine Freundin von ihrem Freund getrennt hatte, verkündete sie mir überglücklich, sie habe endlich ihre „wahre Liebe“ gefunden und plant jetzt mit ihm zusammenzuziehen. Das kann doch nur ein Scherz sein?

Wie oft mussten wir mitansehen, wie sich Freunde oder sogar wir uns selbst von einer Beziehung in die nächste stürzen, um am Ende dann nur enttäuscht vor einer Packung Tempo-Taschentücher zu sitzen und schluchzend die Hauskatze vollzurotzen.

Wie blind können wir sein, immer wieder den gleichen Fehler zu begehen und uns auf Menschen einzulassen, über die wir Monate später nur verwirrt den Kopf schütteln können? Es handelt sich hier doch schlicht und einfach um die Furcht alleine zu sein. Oder nicht?

Viele Menschen haben eine große Angst davor, in einem leeren Bett aufzuwachen und niemanden zu haben, der sie zu Hause begrüßt. Das ist jedoch keine Liebe. Es ist ein Zeichen für ein geringes Selbstwertgefühl. Der Gedanke allein, der Partner sei nicht mehr da, lösen bei ihnen Panikattacken und Niedergeschlagenheit aus. Das Gefühl nicht ohne den anderen Leben zu können, zerreißt sie innerlich und lässt die Welt um sie herum leer und trostlos erscheinen. Sie sind vom Partner abhängig.

Von klein auf bekommen wir eingetrichtert, dass wir geliebt werden müssen. Wir verbringen unsere Zeit damit, unserem Partner und Menschen um uns herum zu gefallen und vergessen dabei unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Verdrängen sogar unser wahres Ich.

Sollten wir uns dann von unserem sogenannten „Seelenverwandten“ trennen, so begrüßen wir wenig später auch schon den nächsten Kandidaten, der bereitwillig unsere Wunden leckt und uns Beachtung schenkt. Wir verwechseln diese Person mit unserem Traumprinzen und beginnen eine Liebe zur Beziehung selbst.

Selbstverständlich können wir nicht immer mit Sicherheit sagen, ob es sich um die große Liebe oder um Abhängigkeit handelt. Dennoch gibt es deutliche Anzeichen, die uns signalisieren können, ob die Beziehung Potenzial hat oder ob diese „große Liebe“ ein gigantischer Griff ins Klo ist.

Liebe ist selbstlos, Abhängigkeit ist selbstbezogen.

In einer echten Beziehung steht die Zufriedenheit deines Partners im Mittelpunkt. Du bemühst dich darum, dem Partner ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Du stellst seine Bedürfnisse vor deinen eigenen und bist glücklicher denn je, wenn du ihm etwas Gutes tun kannst. Streitigkeiten über Nichtigkeiten, emotionale Achterbahnen oder Dominanz in der Beziehung sind für dich Fremdwörter.

Handelt es sich jedoch um eine Beziehungsabhängigkeit, so bist du derjenige, der im Mittelpunkt steht. Alles dreht sich nur um dich und du benutzt deinen Partner dazu, dir dein Leben zu erleichtern oder dein Ego zu füttern. Sollte er jedoch dabei scheitern, dir genügend Aufmerksamkeit zu geben, so bist du für den Rest des Tages frustriert und mehr als schlecht gelaunt.

Liebe ist gemeinsam zu wachsen, Abhängigkeit behindert dich.

Die Liebe bringt das Gute in dir hervor. Niemals hast du dich selbstloser, stärker und optimistischer gefühlt als in einem Team mit deinem Seelenpartner. Ihr bringt euch gegenseitig voran und meistert jede Herausforderung mit Bravour.

Abhängige Partner haben das dringende Bedürfnis in Kontrolle zu sein, sind aber persönlich nicht in der Lage ihre eigenen Probleme zu lösen und sind auf die Hilfe ihres „Seelenverwandten“ angewiesen. Ihre ungelösten Probleme machen sie abhängig von ihm und halten beide davon ab eine gesunde Beziehung zu führen, in der sie wachsen können.

Liebe ist leidenschaftlich, Abhängigkeit ist gleichgültig.

Leidenschaft ist das was deiner Beziehung das gewisse Etwas verleiht und euch beide verrückt nacheinander macht. Umso schwieriger wird es dann natürlich auch sich zu trennen, weshalb sich die ganz Liebe in ein Gefühlschaos aus Wut, Enttäuschung und Traurigkeit verwandelt, was natürlich verständlich ist.

Solltest du jedoch in einer abhängigen Beziehung stecken, so erfährst du diese Gefühle nicht. Du fühlst Angst vor dem Alleinsein, eine innere Leere und vielleicht sogar Paranoia. Diese Gefühle basieren jedoch nicht auf Leidenschaft und sind relativ schnell wieder vergessen, nachdem dir der nächste „Seelenpartner“ über den Weg läuft.

Liebe ist befreiend, Abhängigkeit ist kontrollierend.

Selbst wenn dein Partner gerade nicht da ist, fühlst du dich immer noch sicher und geborgen. Du weißt, dass er dich liebt und wirst deshalb auch selten eifersüchtig. Wozu auch?

Er bestärkt dich darin du selbst zu sein und liebt dich mit all deinen Schwächen und Makeln. Du hast mal wieder vergessen die Stromrechnung zu bezahlen? Kein Problem! Du hast schon wieder den Namen seiner Mutter mit dem seiner Großmutter verwechselt? Absolut kein Ding! Du bist mal wieder über den Teppich gestolpert und hast eine Delle in seine PS4 getreten und dabei seine FIFA 16-Disc zerdeppert? Mach dir überhaupt keinen Kopf! (Aber besorge ihm schnellstmöglich Ersatz!). Er wird dich niemals für deine Fehler verurteilen, versuchen ein Machtspiel über dich zu gewinnen oder die Kontrolle über dein Leben zu übernehmen.

In einer abhängigen Beziehung kannst du dir niemals über die Gefühle deines Partners sicher sein. Sobald er das Haus verlässt, beginnst du dich zu sorgen, was oder mit wem er (es) treibt und spürst Unsicherheit und eine tiefe Eifersucht in dir aufbrodeln. Du reimst dir Szenarien zusammen, beginnst seine Nachrichten zu kontrollieren und überredest ihn jedes Mal zu Hause zu bleiben und zwar da wo du ihn sehen kannst.

Liebe hält ewig, Abhängigkeit ist nur vorübergehend.

Solltest du dich echt Hals über Kopf verlieben, so brauchst du dir keine Gedanken mehr zu machen. Entweder klappt es oder nicht. Es gibt keine Regeln, die dir sagen können, was du tun musst, du weißt es einfach.

Abhängige Beziehungen haben immer ihr Verfallsdatum. Sie sind Übergangs-, oder Trostbeziehungen, die dich nie vollends zufrieden stellen werden. Sie kommen und sie gehen, doch eines Tages wirst du der echten Liebe begegnen, die deine Welt, wie du sie kennst, auf den Kopf stellen wird.

Maureen Wagner

Maureen Wagner ist gebürtige Münchnerin und verdammt stolz darauf. In ihrer Freizeit liebt sie es, zu schreiben, Date-Doktor zu spielen oder Tierdokus zu schauen.

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