Menschen, die ihr Geld in Erfahrungen stecken, sind viel glücklicher

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Geld macht glücklich. Das wissen wir alle. Wir streben nach Reichtum, um uns schöne Dinge zu kaufen, von denen wir glauben, sie würden uns Glück und Freude bringen. Und das tun sie auch. Zumindest temporär.

Ich war einer der Menschen, die in der Sekunde, in der sie bezahlt werden, die Kreditkarte zücken. Endlich! Endlich konnte ich mir die neuen Jordan Sneaker und den langersehnten Ultra HD Fernseher holen. Ich war aufgekratzt.

Doch schon nach 3 Wochen langweilten mich meine Turnschuhe, weshalb ich mich im Internet bereits nach einem neuen Paar umschaute. Mein Konto jedoch war leer. Ich bereute es.

Was hätte ich dafür gegeben, noch einmal die Zeit zurückdrehen zu können. Ich hätte mit meinen Freunden durch die Straßen Amsterdams ziehen können und die Heineken-Brauerei besuchen können. Die Bilder meiner beschwipsten Freunde auf Facebook machten mich geradezu neidisch.

Tja, zu spät. Ich saß mit einem Schrank voller Schuhe fest.

Freude an Neuerwerbungen haben nie lange bei mir angehalten. Mein Schrank war voll mit Sneaker, die ich selten bis nie anzog. Und trotzdem holte ich mir immer wieder neue. Aber warum?

Frust, Trends, Prestige. Klar, tut das dem Ego gut, wenn deine Freunde deine schicken Schuhe komplimentieren. Doch das war’s dann auch.

„Oh, du hast neue Schuhe? Sieht gut aus.“ Und schon wird sich dem nächsten Thema zugewandt.

Materialistische Menschen ziehen ihr Glück aus Einkäufen. Es scheint Probleme für eine kurze Zeit verschwinden zu lassen.

Dies bewies auch eine Studie unter der Leitung von Aric Rindfleisch, einem Business-Professor der Universität Illinois. Materialistische Menschen haben es sehr viel schwieriger, sich nach einem Rückschlag wieder zu erholen.

Oft leiden diese an einem geringen Selbstbewusstsein, weshalb Shopping als ein Trostpflaster angesehen wird. Rückschläge wie Krankheiten oder Unfälle treffen sie härter und zwingt sie Verluste mit weiteren, unnötigen Einkäufen zu kompensieren. Ein Teufelskreis.

Es scheint, dass die glücklichsten Menschen diejenigen sind, die ihr Geld in Erfahrungen stecken. In Reisen, Konzerte, Kinotickets. In Erinnerungen. Und es lohnt sich weit mehr als man auf dem ersten Blick für möglich gehalten hätte.

Ich verabschiedete mich von meiner Shopping-Sucht (ja, auch Männer können die haben) und begann zu reisen. Ich möchte nämlich nicht am Ende meines Lebens auf meinem Sterbebett liegen und denken: Oh, gut, dass ich mir noch schnell die Turnschuhe für einen 20% Discount besorgt habe, bevor ich ins Land der Toten ziehe.

Nein. Bevor ich meinen letzten Atemzug mache, möchte ich meine Augen schließen und an meinen Roadtrip in Neuseeland zurückdenken. An den sternenklaren Nachthimmel in Thailand. Und an die magische Stille der Natur in Indien.

Erfahrungen sind einzigartig.

Jede einzelne Erfahrung, sei es eine Reise nach Südafrika oder ein Konzertbesuch, ist einmalig. Sie bleibt uns lange im Gedächtnis und sorgt für ein glückliches Gefühl, sobald wir die Erinnerung wieder aufleben lassen.

Wir Menschen neigen dazu, unsere materiellen Errungenschaften immer mit denen anderer zu vergleichen, was meist zu Unzufriedenheit unsererseits und einem Kauf eines besseren Produktes führt.

Dieses Problem hat man mit Erfahrungen jedoch nicht. Unsere Reise nach Florenz verliert nicht an Wert, nur weil unser Kollege seinen Urlaub in einem 5-Sterne-Hotel in Rom verbracht hatte. Du hast dir den Trip ausgesucht, du hast dich dazu entschieden, splitterfasernackt ins Meer zu springen und du wurdest vom Sicherheitsteam zurück in dein Hotel gebracht. Das sind Erfahrungen, die dir keiner mehr nehmen kann.

Viele denken, dass der Kauf eines materiellen Guts einen größeren Wert für sie habe als ein nicht-materieller Einkauf. Und das obwohl sie durchaus wissen, dass sich eine Investition in eine Reise oder ein Event weitaus mehr für sie lohnen würde.

Das liegt einfach daran, dass ein Gegenstand finanziell mehr Sinn macht. Wir können es berühren und betrachten. Wir werden ständig an seinen Wert erinnert. Ein Preis-Label an eine Reise zu hängen ist jedoch schwerer.

Eines haben materielle Menschen nach dem Kauf eines unnützen Gegenstandes jedoch gemeinsam: Sie bereuen ihn. Eine Reise wäre in ihren Augen weitaus sinnvoller gewesen und hätte sie um so vieles mehr bereichert.

Erfahrungen bleiben länger in Erinnerung.

Wir sind wie kleine Kinder, die neue, glänzende Spielzeuge unheimlich aufregend finden. In den ersten Tagen spielen wir jede Sekunde damit und lassen es kaum aus den Augen. Doch bereits nach einer Woche wird sie zu einem veralteten Gegenstand, das in unserer Spielekiste verrottet.

Ja, wir gewöhnen uns schnell an Dinge. Insbesondere materielle Dinge. Doch Erfahrungen langweilen uns nie. Ganz egal, wie viele Jahre sie schon zurückliegen.

Sogar negative Ereignisse wie ein aufsässiger Verkäufer auf Mallorca oder regnerische Tage in Brasilien, die uns zwangen im Hostel zu bleiben und sozial aktiv zu sein, werden zu ganz besonderen und erzählenswerten Lebensgeschichten.

Erfahrungen definieren uns.

Die Summe all unserer Erfahrungen bestimmt wer wir sind. Erfahrungen verändern uns und helfen uns, uns selbst besser kennenzulernen. Sie prägen uns.

Oft lassen wir uns jedoch zu sehr von der Gesellschaft beeinflussen. Wir brennen darauf mit anderen auf sozialen Netzwerken um unsere materiellen Errungenschaften zu konkurrieren und verwandeln Facebook zu einer Galerie unnötigen Ramsches und gehaltlosen Phrasen, die von „first world problems“ bestimmt werden.

Geprägt von Oberflächlichkeiten, realisieren wir nur selten, dass Prestige-Objekte uns kein permanentes Glück geben können. Zu gut fühlt es sich an, eines unserer Anschaffungen in den Händen zu halten. Doch sie definieren uns nicht. Sie helfen uns nicht zu wachsen und aus Erfahrungen zu lernen.

Die einzige Lektion, die wir lernen, ist, dass wir uns beim nächsten Zahltag für eine sinnvollere Investition entscheiden werden.

Erfahrungen machen uns einfach glücklich.

Dr. Thomas Gilovich, Psychologie-Professor der Cornell Universität hat sich mehrere Jahre mit der Frage Geld und Glück beschäftigt. Seiner Meinung nach, sollten wir unsere Zeit und unser Geld eher in Kunstausstellungen, Outdoor-Aktivitäten oder Reisen investieren, da diese für ein länger anhaltendes Glück sorgen.

Im Journal Psychologial Science haben Gilovich und Amit Kumar, zusammen mit Matthew Killingsworth herausgefunden, dass Vorfreude die tatsächlichen Treiber des Glückes sind. Wenn man nämlich schon nicht den Moment leben kann, so kann man sich zumindest auf ein bevorstehendes Event oder einen Gegenstand freuen.

Die Vorfreude auf eine Reise oder ein Konzert bringt jedoch größere Freude als den erwarteten Kauf eines Fernsehers oder einer Couch, da diese Freude eher mit Ungeduld einhergeht.

Deine bereits gebuchte Reise lässt dich an all die Möglichkeiten denken, die auf deinem Trip passieren können. Werde ich auf andere Backpacker stoßen? Werde ich die Kingda Ka-Achterbahn überleben? Werde ich mit meinem gebrochenem Mandarin weiterkommen?

Und das ist das, was Spaß macht. Bei einem materiellen Kauf hingegen, weißt du bereits, was du erwarten kannst. Oh, ein neuer Stuhl? Cool, dann kann ich darauf sitzen und ähm, zur Seite schieben.

Je länger man ein Event im Voraus plant, desto größer die Vorfreude. Auf größere Impulskäufe sollte demnach verzichten werden.

Tag für Tag geben wir Geld für Dinge aus, die wir nicht brauchen und uns in keinster Weise bereichern. Menschen, die in ihre Zukunft und sich selbst investieren sind viel glücklicher als der Rest von uns, die in Prestige und „exklusivem“ Müll schwimmen.

Wir sollten immer im Fokus haben unseren Geist zu erweitern, Erinnerungen zu schaffen und uns persönlich etwas Gutes zu tun.

Friedrich Wolff

Ein junger Freelance-Writer und Freizeit-Philosoph aus Stuttgart, der seine größte Zeit damit verbringt, Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen oder die Up & Downs des Lebens zu verstehen.

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